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 4.10.napoleonisches zeitalterzurück-pfeil.gif (2419 Byte) l-weiter.gif (2419 Byte)5.1.konstitutionalsimus

 4.11.  18./19.JHD-3:   ideologisches zeitalter-3:  KOLONIALISMUS  +  INDUSTRIALISIERUNG:

 
 
l-buch.jpg (1728 Byte)INDUSTRIALISIERUNG /KURZVERSION
 
 
Ursprungsland: England
 

Hintergrund:

die Kapitalisierung von Produktion und Handel seit dem 16. Jhd

= die Auflösung des auf dem Feudalbesitz und dem Personenverband der Feudalherren aufgebauten mittelalterlichen Wirtschaftssystems   (Bedarfsdeckungswirtschaft/Nahrungsökonomie)

-          am frühesten herausgebildet in England  (Einhegungen)>  Industrialisierung ab 1760

 

Ursachenfaktoren:

·          Bevölkerungswachstum > Arbeitskräfteschub >

·          Nachfrageschub

·          Kapital

·          unternehmerische Haltung  (puritanisches Arbeitsethos)

·          Fortschrittsdenken > neuer Staatszweck > Wirtschaftsliberalismus > technologischer Innovationsschub 

·          Kolonialismus

 

R,M.Hartwell   /  Woher kam das Kapital für die Industrialisierung? 

Obwohl die meisten Historiker, die sich mit der industriellen Revolution befaßten, stillschweigend die Notwendigkeit einsahen, den Absatz einer steigenden Konsumgütererzeugung zu erklären, haben sie doch der Ausdehnung des Überseehandels größere Bedeutung beigemessen als der Zunahme der Binnennachfrage.

Die Betonung des internationalen Handels ist verständlich; im dritten Viertel des 18. Jahrhunderts nahm der Export stark zu, wobei auf eine Beruhigung in den siebziger Jahren wieder ein bemerkenswerter Aufschwung zwischen 1780 und 1800 folgte; Fertigwaren machten einen großen Teil der Exporte aus, ein erheblicher Teil der industriellen Produktion wurde exportiert; Industriezweige, die hauptsächlich binnenwirtschaftlich orientiert waren, wuchsen nicht so schnell wie die wichtigen Exportindustrien. Doch ging die Erweiterung des Außenhandels zum erheblichen Teil von den Kolonien in Nordamerika und Westindien aus, deren Nachfrage nach englischen Waren sich wiederum weitgehend aus dem englischen Bedarf an Kolonialwaren ergab.

Trotzdemwar der Überseehandel bedeutsam, weil er den für englische Hersteller zugänglichen Markt insgesamt erweiterte. Es ist tatsächlich nicht übertrieben, von einer atlantischen Wirtschaft des 18. Jahrhunderts zu reden, die einen gemeinsamen Markt darstellte, der die Ausnutzung komparativer Kostenvorteile in England gestattete, wie sie andernfalls nicht möglich gewesen wäre. Die wirklich entscheidenden Entwicklungsmöglichkeiten für den englischen Außenhandel bot jedoch Europa mit seinen 200 Millionen Einwohnern; "gegen Ende des Jahrhunderts war Englands Baumwoll- und Metallindustrie fähig, ...nicht nur die europäischen, sondern auch alle anderen Märkte mit ihren konkurrenzlosen Produkten der Industriellen Revolution zu erobern".

Der auswärtige Handel konnte in den Jahren vor der Industriellen Revolution auf einen kleinen, wenn auch bedeutsamenTeil der gesamten industriellen Produktion anregend wirken. Die wichtigsten Wachstumsimpulse müssen vom Binnenmarkt ausgegangen sein, da im 18.Jahrhundert die Expansion des Marktes gewöhnlich der industriellen Expansion voranging. Die ununterbrochen zunehmende inländische Nachfrage regte das industrielle Wachstum auf breiter Front an. Diese Nachfrage war örtlich begrenzt und klar erkennbar .Der Produzent reagierte unmittelbar auf sie. Die stete Aufwärtsentwicklung der gesamten inländischen Nachfrage war für das Wachstum bedeutender als die unstete Zunahme des Außenhandels in den Jahren vor 1780. Die Anzeichen für steigende Reallöhne in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts sind von mehreren Autoren untersucht worden. Schon Adam Smith stellte 1776 fest: "In Großbritannien nahmen im Laufe dieses Jahrhunderts das reale Arbeitseinkommen, ...das tatsächliche Ausmaß dessen, was der Arbeiter für seinen Lebensunterhalt und eine angemessene Lebensführung erhielt, beachtlich zu." Die steigenden Reallöhne lassen sich einerseits besonders auf Verbesserungen in der Landwirtschaft, die weit bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen, andererseits auf eine Reihe guter Ernten nach 1730 zurückführen. Dadurch stieg das für die Masse der Engländer verfügbare Geldeinkommen gerade in einer entscheidenden Phase der Entwicklung.

Eine produktivere Landwirtschaft vermehrte aber nicht nur die Realeinkornrnen und Produktionsgrundlagen der Industrie, sondern auch für eine größere Anzahl von Menschen die Überlebenschancen. Das wiederum trug zum englischen Bevölkerungswachstum bei. Welche Rolle spielte die Bevölkerungszunahme für die In-dustrielle Revolution. Historisch gesehen gehören Bevölkerungsanstieg und wirtschaftliches Wachstum zu sammen. Während das letztere jedoch stets vom ersteren begleitet wurde, fand nicht in allen Phasen einer Bevölkerungszunahme auch wirtschaftliches Wachstum statt. ...Die Verbindung von verbesserter Landwirtschaft und Industrialisierung im England des 18. Jahrhunderts war einmalig; ebenso einmalig war damals auch die Zuwachsrate der englischen Bevölkerung. Es scheint daher, als sei das Bevölkerungswachstum eher die Folge des wirtschaftlichen Wachstums und kein unabhängiger variabler Wachstumsfaktor. Soweit die vorhandenen Daten eine regionale Aufgliederung erlauben, bestätigen sie diese Ansicht: Diejenigen Regionen, die schon vor der Industriellen Revolution gewerblich entwickelt waren und die später auch zu Zentren des industriellen Wandels wurden, wiesen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein schnelleres Bevölkerungswachstum auf als die übrigen Gebiete; mit der Industrialisierung nahmen diese Unterschiede noch zu.

Eine Zunahme der Bevölkerung bedeutete mehr Arbeitskräfte und wenn dieser grundlegende Produktionsfaktor besser organisiert und mit besseren technischen Produktionsmitteln ausgestattet wurde, stieg zweifellos auch die Gesamterzeugung, und wenn Lohnraten überhaupt einen Anhaltspunkt bieten, dann wuchs auch die Pro-Kopf-Produktion.

In' Industrielle Revolution. Wirtschaftliche Aspekte. Hrsg. R,Braun, Köln' Kiepenheuer & Witsch 1972, S,49-51

 
 

Mechanismen:

Kapitalbildungsmöglichkeiten und -techniken

Schlüsselindustrien (in E:  Textilindustrie;  in D:  Schwerindustrie)

neue Rolle des Staates  (auf der Basis auch von Volksvertretungen, Infrastruktur, Bildungssystem..., Nachfrage, Außenpolitik)

 

Resultat:

Fabriksystem/Industriesystem

kapitalistische Marktökonomie >  Wachstumswirtschaft

...
 

 

 

 

wirtschaftliche Folgen:

·       Fabriksystem/Industriesystem 

extreme  Arbeitsteilung + Rationalisierung />  Wachstumswirtschaft

·       neue  Methoden der Kapitalakkumulation  

= AG´s, GmbH´s,...; Banken  <im Wechselspiel mit>  dem Prinzip der Profitmaximierung  (hohe Differenz von Produktionskosten + Marktpreisen infolge niedrig gehaltener Lohnkosten (=Ausbeutung))   >>> ermöglicht:  Reinvestition  >>>  Wirtschaftswachstum  />  Wachstumswirtschaft

·       kapitalistische Marktökonomie  

- ausagiert auf  Gütermärkten, Kapitalmärkten (Instrument:  Börsen); + Arbeitsmärkten  

- gekennzeichnet durch:  Massenproduktion  +  freie Konkurrenz

 

>>> Resultat:  Konzentration des Kapitals  (Kartelle, Trusts, Konzerne;  <> dabei:  sowohl horizontale, als auch vertikale Konzentration)  >>>   Hoch-/Konkurrenzkapitalismus   >>>  später: soziale Korrekturen: ´soziale Marktwirtschaft´

- billige Massengüter von großenteils im Schnitt wachsendem Qualitätsniveau  treffen auf eine bescheidene, aber im Schnitt wachsende  Massenkaufkraft />  Wachstumswirtschaft

- der Sektor Industrie tritt immer gleichgewichtiger neben den Sektor Landwirtschaft (=sektorale-Umgewichtung);  + neuer Sektor entsteht:  Dienstleistungen />  Wachstumswirtschaft

aus regionalen Volkswirtschaftsgefügen entsteht eine immer dichtere Weltwirtschaft />  Wachstumswirtschaft

 

·       das Wirtschaftswachstum vollzieht sich unter marktökonomischen Bedingungen grundsätzlich in rasch einander ablösenden Wellenbewegungen  = Konjunkturschwankungen

-      einer Wachstumsphase  (Aufschwung) mit Preisanstieg (Nachfrage übertrifft Angebot) + günstiger Beschäftigungslage, aber auch Tendenz zur Überproduktion (Angebot beginnt Nachfrage zu übertreffen > Preisverfall) ...

-      ...folgt eine  Schwundphase (Abschwung, Rezession) mit Pleiten + Arbeitslosigkeit ...

-      ...bis das Angebot wieder unter die Nachfrage gesunken ist (=Talsohle > erzeugt neuen Aufschwung)

>>    War die Überproduktion vor allem Folge einer zu großen Diskrepanz zwischen dem Wachstum der Gewinne  und dem Wachstum der Löhne + Gehälter, so  entsteht eine u.U. gravierende  Überproduktionskrise  infolge der mit dem Angebot nicht mithaltenden Kaufkraftentwicklung  = eine überdimensionale Rezession, eine ausgewachsene  Wirtschaftskrise also.

 

 

soziale  Folgen:

·     Entstehung einer neuen Schicht:  der Arbeiterschaft/des Proletariats  (wird von den Zeitgenossen als neuer 4. ´Stand ´ unter den 3 bisherigen (Klerus, Adel, Bürger+Bauern) eingestuft)  >>  ergibt die:

 

·     soziale Frage:

¨     z.T. extreme Arbeitsknappheit + zyklische Arbeitslosigkeit

¨     Elend  (niedrige Löhne;  schlechtest bezahlte, aber überlebensnotwendige Frauen- und Kinderarbeit; härteste  Arbeitsbedingungen (Arbeitszeiten, Disziplinierungsmaßnahmen, Truck-System, kein Versicherungsschutz bei Unfall oder Krankheit oder fürs Alter); unerträgliche Wohnverhältnisse;  soziale Entwurzelung mit Folgeschäden)

¨     Entfremdung  (gestörter, weil gänzlich fremdbestimmter + dem Maschinentakt unterworfener Bezug zur Arbeit > gestörter Bezug zu sich selbst, zu den Arbeitskollegen, zum Chef, zur Familie und Gesellschaft)

 

politische Folgen:

·     Notwendigkeit einer Lösung der sozialen Frage

¨     Selbsthilfeorganisationen entstehen (Gewerkschaften, Genossenschaften)

¨     Fremdhilfe wird auf privat-unternehmerischer  (Owen),  sozial/kirchlich-karitativer (Kolpinghäuser...) und staatlicher  (Sozialgesetzgebung: Kranken-, Unfall-, Renten-  (Bismarck) und schließlich Arbeitslosenversicherung (Weimarer Rep.))  Seite organisiert

¨     verfassungspolitisch muß für die Repräsentation der neuen Arbeiterschicht gesorgt werden  >  das Volkssouveränitätsprinzip mit nicht mehr Zensus-, sondern allgemeinem Wahlrecht muß Geltung erlangen  (engl. Wahlrechtsreform von 1832;  1848er Revolution in Europa...)

¨     ideologie- und parteigeschichtlich als Antwort auf diese Probleme entsteht der Sozialismus als neue politisch-weltanschauliche Kraft mit verschieden radikalen Arbeiterparteien (in D: ...> SPD);

 >  Radikalversion:  Marxismus (in R ab ~1890//1917 als Leninismus, ab 1929 als Stalinismus; in Ch ab ~1919//1949 als Maoismus; ...)

 

 

 

·     Politik vollzieht sich infolge all dessen in gänzlich anderen Öffentlichkeitsformen als in der überkommenen ständisch-frühbürgerlichen Gesellschaft (bis zum 18. Jhd.)

¨     Massenmedien entstehen 

¨     Politik muß populistisch werden  -  auf der Klaviatur der Massenpsychologie zu spielen lernen  <>  hier ergibt sich eine neu aufgefächerte Palette extremer Massenmobilisierungstechniken eher demokratischer oder eher totalitärer Natur 

>> hier erfährt besonders die  Außenpolitik  eine massenpsychologisch durchaus neuartige  Umfunktionierung:  Züchtung von National-Chauvinismen  zur Überlagerung der sozialen Spannungen;

<>  Imperialismus  > 1.+2. Weltkrieg ...

¨     Politik ideologisiert sich weiter  -  es entsteht immer stärker die große Antithese:  Kapitalismus  gg.  Sozialismus/Kommunismus   <>  ´Faschismus´?!

¨     Parteien und Verbände  werden zu unverzichtbaren Organisationsinstrumenten der öffentlichen Meinung und der politischen Willensbildung