©gabriele weis
 
4.5.   GLAUBENSKRIEGE + GROSSMÄCHTE-ENTWICKLUNG
4.5.4.    ENGLAND ZWISCHEN MITTELALTER UND 17. Jhd.:

 

 

>> Die Monarchen Englands und des Vereinigten Königreichs

 

 

Mit dem 16. Jhd. beginnt die neuzeitliche Entwicklung Europas. England hat an ihr entscheidenden Anteil.

Kennzeichen und zentrale Tendenzen der europäischen Neuzeit sind:

ein neues Menschen- und Weltbild:

der Mensch hat sich in der Welt nicht mehr zu bewähren durch bestmögliche Einordnung in eine göttlicherseits vorgegebene Weltordnung...

... er soll sich vielmehr als gottesebenbildliches Geschöpf auf seine schöpferischen Kräfte besinnen, sich selbst durch Bildung und Kunst und die Welt durch eine neue Staatskonzeption und durch neue Wirtschaftsweisen sowie eine neue Kunst gestalten

Ø die Welt gerät damit unter den Gestaltungszugriff des Menschen

Ø wo der Mensch mit seiner neuen Rolle nicht umgehen kann und sich wie ein Raubtier seinen Mitmenschen gegenüber zu verhalten beginnt (Glaubenskriege; Zeitformel: homo homini lupus - der Mensch ist des Menschen Wolf/dem Menschen ein Wolf), muß er mit neuen Mitteln zum Einhalten gewisser Ordnungen gezwungen werden, damit nicht alles aus den Fugen gerät

eine neue Staatskonzeption:

statt des alten Personenverbandes von König und Vasallen wird nun der Gebiets- oder Flächen- oder Beamtenstaat zum zeitgemäßen Herrschaftsmodell ausgebaut.

Die Stände verlieren darüber ihre unmittelbar staatsbildende Aufgabe. Die Staaten schaffen sich über der Ständegesellschaft neue Einrichtungen: erst Söldner-, dann stehende Heere; Beamte in Regierung bzw. Verwaltung und Gerichtsbarkeit statt der Vasallen

die neue politische Ordnung verlangt auch andere Finanzierungsmodelle als die bisherigen: nicht mehr die grundherrschaftliche Bindung der Hörigen und Leibeigenen trägt jetzt diejenigen, die politische Aufgaben in Regierung, Verwaltung, Gerichtsbarkeit und Militärwesen wahrnehmen... ... sondern ein zusätzlich dem 3. Stand und vor allem seinem finanzkräftigsten Teil, dem Stadtbürgertum auferlegtes Steuerwesen (das geht natürlich nur, weil die Wirtschaftskraft der in Land- und Stadtwirtschaft Tätigen mittlerweile so gestiegen ist, daß erheblich größere Mittel als bisher für Gemeinschaftsaufgaben abgezweigt werden können)

und: die neue Staatskonzeption erzeugt ihrerseits Bewegung in Gesellschaft und Wirtschaft (Verarmungsprozesse auf dem Land zugunsten wachsender Stadtbevölkerungen; Nutzung der Wirtschaftskraft der neuen frühkapitalistischen Produktionsweisen),... ... andererseits hat sie sie zu kanalisieren (die Landflucht muß gebremst vorgehen, sonst funktionieren die allzu schnell übervölkerten Städte nicht; Handwerk und Handel müssen gefördert werden durch neuartige Privilegien und eine Außenpolitik, die den europäischen Handel zum Welthandel ausweitet; die neuartige Konkurrenzsituation, die daraus für das alte Handwerk entsteht, muß abgemildert werden)...

eine neue Wirtschaftsweise: frühkapitalistische Methoden im Handwerk (Zulassung von Störerhandwerk; Verlagssystem) und im Handelsgeschäft: Aufbau eines Kreditwesens

die Nutzung der Glaubensstreitigkeiten anläßlich des Glaubwürdigkeitsverlustes der traditionellen römisch-katholischen Kirche zur Durchsetzung des Vorrangs der weltlichen Herrschaft vor der geistlichen - Reformation als Katalysator der Entwicklung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. die Spanier am meisten schmerzt - im Bereich eines Kaperkrieges wagemutiger, auf eigene Rechnung, aber königlicherseits legitimiert, ´arbeitender´ Männer ; 

  2.  

  3. - wo er:

  4. der englischen Krone zusätzliche Einnahmen verschafft 

  5.  

  6. - und wo er so:

  7. die Voraussetzung bildet für zunächst einmal einnahmenschmälernde Privilegierungen von wagemutigen Kaufleuten, die über die Bildung von Handelskompagnien an die Errichtung eines weltweiten Handelsnetzes zum Nutzen der englischen Wirtschaft gehen...

  8. diese übernehmen dann gar (und gänzlich anders als die Spanier und Portugiesen vor ihnen) die Rolle kolonialer Eroberer neuen Schlages... (merchant adventureres...)

  9. Und schließlich nimmt England den Kampf auch da auf, wo das Zentrum der spanischen Macht betroffen ist: es geht selbstredend zur aktiven Unterstützung des niederländischen Befreiungskampfes von der spanischen Oberherrschaft über (er wird am Ende des 30jährigen Kriegs erfolgreich abgeschlossen sein), auch wenn es sich damit einen neuen Rivalen heranzieht, was die Gewinnung einer eigenen Weltmachtstellung als Kolonialmacht angeht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Abläufe chronikalisch:

 

 

16. Jhd.:

Parlamentsvorschläge zu einer Säkularisation des Kirchenguts zum Vorteil der Krone und des Parlaments

auch  im hohen Klerus, der vom König ernannt und oft dessen politischer Berater ist:  antipäpstliche Tendenzen (in der Tradition Wiclifs, Ende 14. Jhd.)

1531 erzwingt Heinrich VIII. (1509-47) 

seine Anerkennung als Oberhaupt der Kirche Englands

1534  Suprematsakte:  Anglikanische Hochkirche Englands  -  durch das Parlament bestätigt

 

1534-39  Auflösung der Klöster

1549  Common Prayer Book  -  kathol.-protestant. Mischbekenntnis für die Hochkirche

 

1552-1558  blutige Rekatholisierungspolitik durch Maria, die Katholische (´Bloody Mary´,verheiratet mit Philip II. von Spanien;  300 Hinrichtungen von Protestanten)

 

 

1558-1603  Elisabeth I., die Große

1559 Uniformitätsakte und Suprematseid 

1563 neues, calvinistisch gereinigtes Hochkirchenbekenntnis

 

Unterstützung des privaten Kaperkriegs der englischen Seehelden Hawkins, Drake u.a.

Unterstützung des niederländischen Freiheitskampfes gegen Spanien (1578-1648)

1554 Moskovy Compagny

1571  Eröffnung der Londoner Börse:  Beginn der Kapitalwirtschaft in England

1584 erste englische Kolonie:  Virginia, gegründet durch Sir Walter Raleigh

1581 Levante Compagny

1588 Vernichtung der spanischen Armada

1598  Schließung des Stalhofs der Hanse in London

1600 East-India Compagny

auf dem Land:  Beginn der Einhegungsbewegung

Armengesetzgebung:  Arbeitshäuser zur Kanalisierung der wachsenden Mobilität

 

1554-1616  Shakespeare

1603 mit dem Tod Elisabeths stirbt das Haus Tudor aus  -  Nachfolge:  Haus Stuart

 

 

17. Jhd.:

1603-25  Jakob I.  

-  antipuritanische (auch antikatholische) Politik:   absolutistische Neigungen mit Hilfe der  Hochkirche:  Steuerauflagen, Titel- und Ämterkauf

 

 

1620 Mayflower - pilgrim fathers  (verfolgte Puritaner wandern nach Amerika aus)

 

1625-49 Karl I. 

 

-  Verschärfung der Politik seines Vaters

1628 Parlamentsopposition der gentry (Landadel) und city (Bürgertum) zur Wahrung der alten Rechte:  Petition of rights  -  Forderung von Sicherheiten vor willkürlicher Verhaftung und Besteuerung

1629-40  Karl regiert ohne Parlament und verfolgt alle politischen und religiösen Gegner (Dissenters/Nonkonformisten und Puritaner)

Schotten-Aufstände  -  ´Bischofskriege´ -  zur Kostenbewilligung Wiedereinberufung des Parlaments:  alerdings ist es nun von Puritanern beherrscht, erstrebt Kontrolle der Regierung

1642-48  Bürgerkrieg zwischen Krone (Kavaliere) und Parlament (Roundheads, Kurzgeschorene)  >  neu:   Parlamentsheer unter Cromwell als puritanische Elitetruppe organisiert

1648  Sieg des Parlaments- über das Königsheer:  Reinigung des Parlaments (Rumpfparlament)  ...

...und Prozeß gegen Karl I.  >  Hinrichtung 1649  

-  Abschaffung der Monarchie

1649-60  Republik:  

Regierung durch das Rumpfparlament (ohne Oberhaus und Staatsrat)

starkes Aufleben religiöser Sekten;  brutal-antikatholische Irlandpolitik

1651  Navigationsakte:    Waren nach England nur auf englischen Schiffen  -  gerichtet gegen den holländischen Zwischenhandel  >  Seekrieg bis 1554 gegen Holland und 1554-59 gegen Spanien

 

1653 Diktatur Cromwells  als Lordprotector  -  nach seinem Tod 1558 Wiederherstellung der Monarchie

 

 

 

 

1660-88  Restaurationspolitik der Stuarts

 

1660-85  Karl II, am Hof Ludwigs XIV. erzogen;  Nachahmung des französischen Absolutismus

Spannungen mit dem Parlament

1673 Testakte des Parlaments:  Ausschluß aller Nichtanglikanier von Staatsämtern

1679 Habeas-Corpus Akte:  Schutz vor willkürlicher Verhaftung und Sicherung der persönlichen Freiheit

erste Parteienbildung im Parlament (Whigs:  bürgerlich;  Gegner der Struarts  gg.:  Tories: konservativ, anglikanisch und königstreu)

 

 

1685-88  Jakob II, 

versucht katholische Restauration

scharfer Widerstand der Hochkirche und der Whigs

 

1688  löst die Geburt  eines Thronfolgers und damit die Gefahr einer katholischen Dynastie die ´Glorious Revolution´  aus: 

Hilferuf an den Holländer Wilhelm von Oranien

  -  Flucht Jakobs, Feldzug Wilhelms gegen die Jakobiten

1689  Declaration of rights: 

England wird Konstitutionelle Monarchie   

-  Steuerbewilligungs- und Rederecht;  Ablehnung eines stehenden Heeres;

Wilhelm  III. von Oranien wird im Auftrag des Parlaments König  (Personalunion mit Holland bis 1702;  die englisch-holländische Seerivalität  ist damit zugunsten Englands entschieden)

Begründung der Gewaltenteilung zur Sicherung der persönlichen Freiheit und des Eigentums der Bürger  (Locke )

 

1694 Gründung der Bank of England

Balance of Power-Politik

Entstehung des englisch-französischen Kolonial-Dualismus

 

 

18. Jhd.:

1701  Act of Settlement zur Regelung der Thronfolge:  Haus Hannover  (1714-1901)

1702-14  Anna, Tochter Jakobs II.

1707  Union Englands mit Schottland:  Großbritannien

Teilnahme am Spanischen Erbfolgekrieg (1701-13/14)

anläßlich des Aussterbens der spanischen Habsburger:  Gefahr der Entstehung einer  Weltmacht Frankreich oder Österreich  

-  als auf Betreiben Ludwigs XIV. von Frankreich, des spanischen Staatsrats und der päpstlichen Kurien Philip von Anjou als Gesamterbe der spanischen Habsburger eingesetzt wird, kommt es 1701 zu einer großen Allianz zwischen England, Holland, Österreich, Preußen, Hannover, Portugal, dem Reich und Savoyen:  

 

Kriegsschauplätze in Spanien (Bürgerkrieg), Italien, Süddeutschland, den Niederlanden, auf den Ozeanen und in der Nordsee;  

Friede von Utrecht gibt das spanische Hauptland und die Kolonien an Anjou;  die Nebenlande an Österreich;  Sizilien an Savoyen; 

  Gibraltar  und eine Reihe von Inseln  zuzüglich des Sklavenhandelsmonopols mit Spanisch-Amerika  an Großbritannien

bei alldem ist Großbritannien stärkste Subsidienmacht  (`most businesslike of all our wars´)  und Schiedsrichter Europas 

 

 

 

 

 

Aus:  dtv-atlas:

 

Der Siebenjäbrige Krieg 1756-63 


Der Anstoß zur Entscheidung der weltpolit. Konflikte geht von den Kolonialmächten und Osterreich aus. 

Im brit. Interesse wird der Krieg zugleich in Europa und in Übersee geführt.


Der brit-franz. Kolonialkrieg (1754/5-63)


Nordamerika:
Wachsende Eiowanderung verstärkt den Druck der 400000 Siedler auf dünn besiedelte, aber durch Forts gut gesicherte franz. Kolonialgebiete. 

Ständige Grenzkämpfe verschärfen sich 1754 zu kriegerischen Zusammenstößen im Ohio-Tal. 


Franz. Anfangserfolge führen zum Sturz der Whig-Regierung. 

1757-61 WILLIAM PITT (der Ältere, Earl of Chatham, "Dritter Baumeister des brit. Weltreiches nach CROMWELL und WILHELM III.«) übernimmt die polit. Leitung;. er verstärkt die Flotte und die Truppen in Obersee;


Preußen erhält Subsidienhilfe.


1758 Vorstoß zum Ohio-Tal; Eroberung von Ft. Louisbourg und Ft. Duquesne (Pittsburg). 1759 Vorstoß zum Lorenz-Strom; Quebec, das "Herz der feindl. Macht«, wird genommen (General WOLFE besiegt MoNTcALM, beide fallen); mit der Einnahme von Montreal (1760) Durchbruch zu den Großen Seen.

 


Westindien: Von den franz. Antillen werden u. a. erobert: Guadeloupe 1759, Martinique 1762, nach Kriegseintritt Spaniens 1761 auch Kuba (und die Philippinen).


Westafrika und Atlantikküste: Bis 1760 Besetzung aller franz. Stützpunkte in Senegambien; Seesiege (Lagos, Quiberon) und Überfälle auf franz. Häfen (>,breakiog windows with guineas«). 


Indien: Auch hier franz. Anfangserfolge; mit Kalkutta geht fast ganz Südindien außer Madras verloren. RoBERT CUVE (32 J.), Angestellter der Ostind. Kompanie, baut den brit. Widerstand auf, nutzt die Rivalität ind. Fürsten aus und gewinnt Kalkutta (Ft. William) zurück. Sein durch Verrat gegen 2Ofache Überrnacht bei 10(!) eigenen Verlusten 1757 errungener Sieg von Plassey begründet die brit. Herrschaft in Indien. 

Zusammenbruch der franz. Indienpläne.


1763 Friede von Paris: Großbritannien gewinnt Kanada, Louisiana, Kap Breton und Senegambien von Frankreich; FIorida von Spanien. 

Glänzendster brit. Sieg der Neuzeit: Nordamerika wird angelsächs.

 

 

 

 

 

 

 

Die inneren Verhältnisse Großbritanniens

Das parlament. System:

Der Rückschlag des amerikan. Krieges stürzt das autokrat. Regiment GEORGS III. (1761-1820).

Abhängig vom Parlament, führt der Premierminister die Reg.

Im Parlament streiten sich kleine polit. Cliquen einer Adelsoligarchie von Grundbesitzern, die durch hohen Wahlzensus gesichert sind. Beteiligung an der Reg. bringt gutbezahlte Ämter, das Patronatsrecht (Ämterverleihung) geht vom König auf den Premier über und bleibt eine Quelle der Bestechung in den Wahlbezirken.

Die Tories stützen sich auf die anglik. Staatskirche, die Whigs vertreten stärker die Dissenters (prot. Andersgläubige).

Wirtschaftl. führend, erstreben diese eine Parlamentsreform durch Abschaffung der »rotten horoughs< (entvölkerte alte Orte mit Wahlrecht) zugunsten der neuen Industriestädte ohne Parlamentssitze.

Die Katholiken erreichen 1779 die Aufhebung des Verbots, öffentl. Gottesdienste abzuhalten, aber nicht ihre Emanzipation.

Radikale demokrat. Ideen (Volkssouveränität, Abschaffung der Monarchie) verkündet Thomas Paine (1737-1809).

Mit seinen >Rights of Man< (1792) bekämpft er Edmund Burke (1792.97), dessen konservative Kritik in den >Reflections on the Revolution in France< (1790) stark auf England und Europa wirkt

 

 

Industrialisierung und Agrarrevolution:

 

Trotz innerer Mißstände (Ämterpatronage, veraltete Strafjustiz, Armenpflege und Erziehung) wandelt sich England auf der Grundlage kapitalist. Wirtschaftsordnung zur »Werkstatt der Welt<.

 

Flurbereinigung und neues Fruchtwechsel-System erhöhen die Felderträge.

 

Einhegungen, englisch EnclosuresVerfahren, durch das in ganz Europa, vor allem aber in England Gemeindeland (Allmende), unbewohntes Land oder Brachland in Privateigentum überführt wurde.

 

Dennoch entsteht ein Nahrungsmitteldefizit, da die Bevölkerung von 1750 bis 1820 von 7 ,8 auf 14,3 MiII. wächst (bes. in den Städten).

 

Maschinen, Fabrikstädte und Lohnarbeit drängen Handwerk, Kleinstadt und Landarbeit zurück.

 

Neue Straßenbaumethoden (METCALFE, MAcADAM) verbessern Transport und Verkehr.

 

Die Ausfuhr von Industriewaren stärkt den brit. Welthandel.

 

 

Soz. Probleme bleiben ungelöst.

 

 

Mit Unterbrechung 1801-04 leitet der »Boy minister« 1783-1806 William Pitt d.J. (24 J.) als Premier den Staat,

 der unter der Schuldenlast des amerikan. Krieges leidet.

 

1785 Abbau aller Zölle zwischen England und Irland, das nach der Rebellion von 1797/98 in dem 1801 Vereinigten Kgr. Großbritannien und Irland aufgeht.

Neue Festigung des hrit. Kolonialreiches Kanada:

Die Bindung der frz. Siedler an England gelingt durch die 1791 Teilung in das frz. Unterkanada (Quebec) und das engl. Oberkanada (Ontario).

 

Australien:

Von Sydney (Botany Bay) aus 1788 Beginn der Besiedlung durch Weiße (zunächst Sträflinge) .

 

Indien:

Durch die 1784 East India Bill geht die Kontrolle der Ost-ind. Komp. vom Parlament (Regulating Act 1773) auf die Reg. über

 

Der Kampf um die brit. Weltmacht:

 

PITTS größte Leistung besteht in der Führung des brit. Existenzkampfes gegen die Franz. Rev. und NAPOLEON.

 

Zum 1793 Eingriff in den Ersten Koalitionskrieg zwingen

der brit..franz. Kolonialdualismus;

des bedrohte europ. Gleichgewicht;

die franz. Besetzung des Rheindeltas.

 

Als Oppositionsführer der Whigs fordert CHARLES JAMES FOX (1749-1806) den Abbruch des Kampfes, trägt 1801 zum Sturz Pitts und zum 1802 Frieden von Amiens bei.

This print is by the satirist James Gillray, and was published on the 1st March 1793. It represents the Whig politician, Charles James Fox (1749-1806) as a ragged French sans-culotte. His hands are bloodstained as is his dagger. He is unshaven, hairy. His gaiety suggests drunkenness, and he is also farting. He is wearing the Cap of Liberty, with the tri-coloured French cockade. He is singing a well-known French revolutionary song.

 

Napoleons Pläne gegen den brit. Gegner:

1798/99 Feldzug nach Ägypten

1801 Erster Indienplan im Bündnis mit PAUL I. Er wird mit der Ermordung des Zaren hinfällig. -  RICHARD WELLESLEY erobert im Zweiten Marathen-Krieg (1803-05) die ind. Ostküste.

Den 1802 Plan zur Errichtung eines Karibischen Reiches fängt die brit. Kriegsflotte ab.

Um die USA zu gewinnen, 1803 Verkauf Louisianas

Aufgegeben werden der 1804/05 Plan zur Eroberung Südaustraliens und die Invasion der brit. Insel.

Ein 1807/08 Zweiter Indienplan scheitert am Zögern Zar ALEXANDERS I.

Ohne Ergebnis endet der 1812-14 brit.-amerikan. Krieg

 

Brit. Abwehrmaßnahmen:

Bildung neuer Koalitionen

Lieferung von »wenig Truppen und viel Geld«;

 

Seekrieg unter Leitung des Adm. Nelson (1758-1805):

sichert die brit. Seeherrschaft und den Seeweg Dach Indien.

 

Die Blockade franz. Häfen mit Kaperei auch neutraler Schiffe verstärkt die brit. Flotte jährl. um ca. 2000 Schiffe.

 

NAPOLEON antwortet mit der 1806 Verkündung der Kontinentalsperre, die nach der brit. 1807 Beschießung Kopenhagens und der Wegnahme der dän. Flotte verschärft wird.

 

ARTHUR WELLESLEY errichtet eine 1808 »Zweite Front« in Portugal

 

 

 

 

Folgen für Großbritannien:

Steuererhöhungen, Getreidesubventionen, Verlust europ. Märkte in Übersee (Südamerika).

 

 

Die steigende Industrieproduktion verursacht seit 1810 Absatzkrisen (Arbeitslosigkeit, Hungersnöte).

 

1811/12 Erste »Maschinenstürme« (Ludditen).

 

 

Die Goldreserven der brit. Banken fangen einen Zusammenbruch der Preise ab.

 

Der Wirtschaftskrieg bringt keine Entscheidung, beide Seiten sind auf Lizenzen (Ausnahmeregelungen für wichtige Mangelgüter) angewiesen.

 

 

 

Die Industrialisierung Englands

 

Im 18. Jh. verändern sich die wirtschaftl. und soz. Strukturen und schaffen Voraussetzungen für die Industrielle Revolution (von BLANQUI 1837 bzw. F. ENGELS 1845 eingeführter Begriff).

 

Auslösend wirkt eine Reihe von Faktoren, die sich wechselseitig bedingen:

 

Seit die Testakte (1673) Puritaner bzw. Nonkonformisten von der Politik ausschließen und auf das Erwerbsleben verweisen, prägt die calvinist. Ethik eine neue Arbeitsauffassung:

Fleiß, Sparsamkeit, nüchternes Gewinnstreben über den Eigenbedarf hinaus schaffen Privatkapital für Investitionen zur Produktionsausweitung im Großgewerbe, dessen Beschränkungen im 18. Jh. praktisch fallen (seit 1814 Gewerbefreiheit).

 

Theoretisch begründet wird der Kapitalismus von ADAM SMITH

und der klass. Nationalökonomie (DAVID RlCARDO, 1772-1823)

beide leiten aus den Grundfaktoren Arbeit, persönl. Gewinnstreben und Freiheit den wirtschaftl. Liberalismus ableiten:

am entschiedensten vertreten durch die Manchesterschule, einen Kreis von Textilfabrikanten um RICH. COBDEN (1804-65). :

Die engl. Aufklärung verbreitet die Ansicht BACONS,

daß empirisches Wissen durch Beobachtung und Experimente den Reichtum mehre.

Naturwissenschaft verbindet sich mit prakt. Nutzanwendung 

 

Auch Handwerkern ohne Schulbildung gelingen grundlegende technische Erfindungen :

Fliegendes Weberschiffchen - KAY (1733), Eisengewinnung mit Koks - DARBY (1735), Dampfmaschine - Watt (1769),

  

 ´Spinning Jenny´  - Hargraves,

  

Mule-Spinnmaschine - CROMPTON (1779),

 

Mech. Webstuhl - CARTWRIGHT (1785).

 

 

1789 Antrieb einer Arbeits- mit einer Kraftmaschine:

Beginn der Mechanisierung der Arbeit und damit der industriellen Rev.

 

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Wirtschaftl. ist Großbritannien seit 1707 (Vereinigung Schottlands mit England) das größte europ. Freihandelsgebiet mit ausgebildetem Kreditwesen (Bank von England, 1694), starker Flotte und profitreichem Handel.

 

 

Der Kapitalreichtum bewirkt eine Agrar-Rev.:

Aufteilung offener Feldfluren, Bauernlegen, Landeinhegungen durch aristokrat. Großunternehmer mit Hilfe des Parlaments.

Pächter wirtschaften mit neuen Methoden und setzen Arbeitskräfte frei.

 

Steigende Bodenerträge und med. Erfolge verursachen eine sprunghafte Bevölkerungszunahme bzw. Übervölkerung.

 In der Not und Verelendung der Massen sieht der Nationalökonom Thomas Robert Malthus (1766-1834)

ein Naturgesetz, da die Bevölkerung in geometr., der Bodenertrag nur in arithmet. Reihe wachse

 

Auswanderung, Landflucht und Bildung eines großstädt. Proletariats sind Folgen der Ubervölkerung.

 

Sie begünstigen zudem die Entfaltung der Industrie-

Das neue Fabriksystem verlangt :

selbstbewußte Initiative,

Kapital für Maschinen und Rohstoffe,

Arbeitskräfte

und Absatzmärkte für maschinelle Massenproduktion.

 

 

Aus alten Schichten entwickeln sich die neuen Klassen:

Unternehmer (priv. Kapitalbesitzer) und ungelernte Proletarier.

Beide Gruppen sind ohne Grundbesitz und ohne Parlamentsvertretung und daher Gegner der Gentry und der Großkaufleute, dennoch miteinander verfeindet.

 

Überangebot an Arbeitern, überlange Arbeitszeit, Frauen- und Kinderarbeit erzwingen die neue, noch ungewohnte Arbeitsdisziplin in der Fabrik.

Die Hungerlöhne rechtfertigen RICARDOS Lohntheorie, nach der Arbeit und Ware dem gleichen Gesetz von Angebot und Nachfrage unterliegen.

 

 

Günstige Bedingungen zur Industrialisierung bietet die Baumwollverarbeitung (Zentrum in Manchester/Lancashire).

Spinnereien (ab 1790) und Webereien (nach 1815) erfordern geringes Anfangskapital und sichern hohe Profite durch den Kreislauf:

Sklaventransport in amerikan. Baumwollplantagen, Import von Rohbaumwolle, Export von Baumwollwaren nach Afrika und in die Plantagenländer.

Zwischen 1785 und 1840 steigt der Import von 11 Mill. auf 366 Mill. Pfund bei einer Preissenkung für Garne um 95 Prozent.

 

Die Kontinentalsperre bringt der Textilindustrie neue Absatzmärkte in Südamerika und Indien.

 

Konjunkturkrisen drücken die Löhne.

 

Der ungeheure Kapitalgewinn bildet die Grundlage für neue kapitalintensive Industriezweige: Bergbau und Schwerindustrie.

 

Sie kommen mit der Verkehrs-Rev. durch Dampfschiff (PuLTON, 1807) und Lokomotive (STEPHENSON, 1814) um 1840 zum Durchbruch.

1830 Erste Eisenbahn Stockton-Darlington; die Schienenlänge umfaßt 1848 bereits 5000 Meilen- Folgen: England bleibt bis Ende des 19. Jhs. industriell führend.

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Nach engl. Vorbild, aber mit örtl. Abweichungen entstehen europ. Industriestaaten:

Belgien, Holland, Schweiz, Frankreich (ab 1825), Deutschland (ab 1850), Schweden (ab 1880).

 

Die Industrialisierung führt zu Ballungszentren in Industriegebieten (Verstädterung), entwickelt eine demokrat. Klassengesellschaft, hebt Nationaleinkommen und Lebensstandard und begründet mit Ausbildung eines Weltmarktes eine Epoche techn. Zivilsation.

 

Handwerk und Kleinbauerntum gehen zurück, die Klassenunterschiede verschärfen sich, die SOZ. Frage wird zum drängenden Problem.