©gabriele weis

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 l-buch.jpg (1728 Byte)4.7.  AUFKLÄRUNG::

  

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Wo Mensch, Staat und politische Gewalt (innerstaatliche Souveränität) so neu gesehen werden, sucht man selbstredend auch eine neue Sicht des Wirtschaftslebens zu entwickeln - eine neue Klarheit über wirtschaftliche Mechanismen:

der Wirtschaftsliberalismus (Hauptschlagwort: Laissez faire) entsteht nun als eine politische Bewegung des unternehmerisch tätigen Bürgertums:

> Gewerbefreiheit ist die wirtschaftliche Hauptforderung der Zeit - der Staat soll aufhören, die alten Zunftschranken weiter aufrecht zu erhalten

> freier Wettbewerb (Konkurrenz) soll zu einem freien Spiel der Marktkräfte führen (Angebot und Nachfrage regeln über die Preisbildung das Wirtschaftsgeschehen, bestimmen also Produktions- und Kaufentscheidungen)

> der Erwerbsegoismus jedes einzelnen sei die wichtigste Triebfeder einer wachsenden Wirtschaft zum Wohle aller, wenn man nur die Marktkräfte ungehindert wirken lasse

> umfassende betriebswirtschaftliche wie internationale Arbeitsteilung soll eine Massenproduktion ermöglichen, die den Wohlstand aller heben hilft

> deshalb: Freihandel im internationalen Güterverkehr

Entwerfer dieser Ideen: Adam Smith

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Auslöser all dieser Denkansätze:

Die Gesellschafts- + Staatskrise des späten Ancien Regime:

 

 Zur Lage des Klerus:

 

Der Klerus bezeichnete sich als die erste Körperschaft des Königreichs.

Er besaß wichtige politische, juristische und wirtschaftliche Privilegien.

Seine wirtschaftliche Macht beruhte auf der Erhebung des Zehnten und auf dem Grundbesitz.

Der Klerus war aber keine einheitliche Gruppe.

Der hohe Klerus rekrutierte sich in zunehmendem Maße ausschließlich aus Angehörigen des Adels. Er verteidigte seine Privilegien aus den Pfründen, von denen der niedere Klerus grundsätzlich ausgeschlossen war. Unter den 139 Bischöfen im Jahre 1789 befand sich nicht ein einziger Nichtadeliger. Der größte Teil der Einkünfte floß den Prälaten zu, die meistens am Hof residierten und sich wenig um ihr Bistum kümmerten.

Der niedere Klerus, die Pfarrer und die Vikare, hatten dagegen mit großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Sie fühlten sich nicht dem ersten, sondern dem 3. Stand verbunden.

 

zur Lage des Adels:

 

Der Adel genoß bedeutende Privilegien, einschließlich einer weitgehenden Steuerfreiheit, und das Anrecht auf den Bezug feudaler Abgaben.

In politischer Hinsicht war er fast zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken. Denn seine früheren Rechte in den Ständeversammlungen und den Parlamenten waren vom König weitgehend beschnitten.

Seine wirtschaftliche Situation war auch keineswegs glänzend. Sein Einkommen floß aus den Renten seiner Güter und für die Minderheit des Hof- und Hochadels aus reichen Heiraten und vom Monarchen verliehenen Pensionen, Geschenken und Sinekuren.

Eine wirtschaftliche Laufbahn blieb dem Adel verschlossen, weil die Beschäftigung im Handel und in der Industrie als eine erniedrigende Tätigkeit für einen Edelmann galt. Selbst die Adeligen, die sich mit ihren Gütern tatsächlich beschäftigten, waren kaum fähig, sie rationell zu verwalten. Die wenigen Adeligen, die ihr Kapital in die neuen Industrien investierten, wurden von ihren Standesgenossen verachtet und ausgeschlossen.

 

zur Lage des 3. Standes:

a) Zur Lage des Bürgertums:

Das Bürgertum war die entscheidende Klasse des 3. Standes.

Infolge seines teilweisen Reichtums und Bildungsstandes beanspruchte es für sich eine führende Rolle in der damaligen Gesellschaft.

Einflußreichste Gruppe: die noch relativ kleine Zahl der Unternehmer und der Reeder, der großen Geschäftsleute und Bankiers, die es im Verlauf des 18. Jhds zu großem Reichtum gebracht hatten.

Dieses Großbürgertum profitierte vom Ausbau des Handels und vom raschen Wachstum in der Industrie.

Durch sein Vermögen war es dem Adel überlegen.

Es hatte auch den Ehrgeiz, durch den Kauf eines Amtes oder Erhebung in den Adelsstand in diese Klasse einzudringen, was ihm jedoch in den letzten Jahrzehnten vor der Revolution nicht mehr gelang.

Es wurde auch von wichtigen Führungsposten im Staat und in der Armee ausgeschlossen.

Weitere Gruppe: die Angehörigen der freien Berufe: nicht geadelte Verwaltungsbeamte, Rechtsanwälte, Notare, Lehrer, Ärzte, Chirurgen usw.

Hauptgruppe 1: Handwerker und Kleinhändler, die noch mit der überkommenen vorindustriellen Produktionsweise befaßt waren.

Hauptgruppe 2 - im Wachsen: städtische Volksmassen

Wegen der noch vorherrschenden handwerklichen Produktionsweise gab es noch keine klare Grenze zwischen den kleinstädtischen bürgerlichen Schichten und dem Arbeiter.

Am zahlreichsten war inzwischen die Gruppe der lohnabhängigen Handwerker.

Sie arbeiteten zu einem von den Händlern festgesetzten Tarif. In den meisten Pariser Handwerksbetrieben wurde 16 Stunden gearbeitet. Die Buchbinder und Drucker, deren Arbeitstag nicht über 14 Stunden hinausging, wurden wie Privilegierte angesehen. Die Lehrlinge und Gesellen wohnten meistens unter dem Dach des Meisters und lebten von seinem ´Brot, Bett, Herd und Haus´.

Anders als die Handwerker, die in Zünften organisiert waren, erhielten die Arbeiter in den Manufakturen Arbeitslöhne.

Die Lohnempfänger ohne feste Anstellung umfaßten Taglöhner, Gärtner, Laufburschen, Wasser- und Holzträger, die sogenannten Pfennigverdiener, die Aufträge oder kleinere Arbeiten ausführten.

 

Die Existenzbedingungen der städtischen Volksmassen verschlechterten sich im 18. Jhd..

Der Bevölkerungszuwachs in den Städten führte zusammen mit den Preissteigerungen zu einem Ungeleichgewicht von Löhnen und Lebenshaltungskosten.

In der 2. Hälfte des Jhds. nahm die Verarmung der städtischen Volksmassen immer mehr zu.

 

 

Die Wirtschaftskrise des späten Ancien Regime:

Wachstum:

Vor 1789 war Frankreich zum Land mit der größten Bevölkerung Europas geworden - jeder 5. Europäer war Franzose.

Die Lebenserwartung war bis auf 29 Jahre gestiegen.

Die Anzahl der Städte nahm rasch zu.

1789 gab es etwa 60 Städte mit mehr als 10000 Einwohnern.

Der Anteil der Stadtbevölkerung an der Gesamtbevölkerung betrug etwa 16 %.

In den Jahren 1733-1817 hatte ein langfristiger Konjunkturaufschwung geherrscht:

Zwischen 1720 und 1780 hatte sich der Außenhandel vervierfacht.

Zwischen 1716 und 1787 stieg der Export von Fabrikationsgütern um 221%.

Der Gesamtzuwachs französischer Exporte lang bei 298%.

Die größten Zuwachsraten erzielten die neuen Industrien, vor allem die Kohle- Metall- und Textilindustrie.

In der Textilfabrik von Abbeville waren 12000 Arbeiter beschäftigt, im Kohlebergbau von Anzin arbeiteten 4000. In Paris gab es etwa 50 Manufakturen, die jeweils zwischen 100 und 800 Arbeitskräften beschäftigten.

Zwischen 1726 und 1789 stiegen die Preise um 62%.

Der Preisanstieg war besonders groß bei den Grundnahrungsmitteln:

1785-89 Weizen: 66%

Roggen: 71%

Fleisch: 67%

Brennholz: 91%

1789 Höhepunkt der Entwicklung: 1. Julihälfte - Weizen: 150%

Roggen: 165%.

 

  1. Schwund:

Die Löhne stiegen nur um 22%.

Mißernten der Jahre 1788/89 vermehrten den Hunger.

Der Winter 88/89 war ungewöhnlich hart. Hagel und Unwetter reduzierten die Ernte dann noch einmal.

Deshalb kam es zu Hungerrevolten und Brotunruhen.

An ihnen beteiligten sich nicht nur Lohnabhängige, sondern auch Handwerksgesellen, Arbeiter, Erwerbslose, kleine Ladeninhaber, selbständige Handwerker und Meister.

Es kam zu Auseinandersetzungen zwischen Meistern und Gesellen:

1724, 1737 und 1776 streikten nacheinander die Strumpfweber, die Webergesellen und die Buchbinder.

Kurz vor Ausbruch der Revolution streikten die Hutmachergesellen und die etwa 350 Arbeiter der Tapetenfabrik des Pariser Fabrikanten Reveillon um höhere Löhne.

Im Dezember 1788 stieg die Zahl der Arbeitslosen in Paris auf 80000!

Auf den Pariser Märkten stieg der Preis des 4-Pfundlaibes Brot:

8. 11. 12 Sous; 28.11. 13 Sous; 11.12. 14 Sous; 1.2. 14,5 Sous

Ein Arbeiter verdiente täglich zwischen 15 und 20 Sous - d.h. 80% des Einkommens für Brot!

 

 

 

 

entschließt sich zu Reformen, beruft den Physiokraten Turgot zum Finanzminister

Reformprogramm: Beseitigung von Feudal- und Zunftrechten, Aufbau einer Selbstverwaltung, Einführung einer allgemeinen Grundsteuer - durch die Parlements zu Fall gebracht

nach Freigabe des Getreidehandels: Revolte der Pariser Arbeiter gegen das Hochschnellen der Brotpreise

1778 Bündnis mit den neu gegründeten USA gegen England

> Verschärfung der Finanzsituation - Anleihenpolitik reicht nicht mehr aus!

 

> der amerikanische Freiheitserfolg verstärkt zugleich die Kritik am Regime in Salons, Cafes, Clubs und Freimaurerlogen (lafayette, Mirabeau, Talleyrand, Sieyès...)

1783 stürzt Turgots Nachfolger Necker über dem Versuch, die katastrophale Lage der Staatsfinanzen zu veröffentlichen

1786 Handelsvertrag mit England

> englische Konkurrenz führt zu Krisen im gewerblichen Sektor > Unruhen

Mißernten > Unruhen

 

Finanzminister Calonne greift auf Turgots Pläne zurück :

Durchsetzungsversuch im Rahmen einer Notablenversammlung (nicht der Generalstände !) scheitert:

die Regierung will die Zustimmung zu den geplanten Reformen ohne Offenlegungsbereitschaft

 

die Versammlung lehnt ab und fordert die Wiedereinberufung der seit 1614 völlig ausgeschalteten Generalstände und über sie die Rückkehr zu einem vorabsolutistischen Feudalsystem = Adelsrevolte