©gabriele weis

5.1.konstitutionalismus....zurück-pfeil.gif (2419 Byte) l-weiter.gif (2419 Byte)5.3. hochkapitalismus

 zurück-pfeil.gif (2419 Byte)5.2.  19./20.JHD-1:   ideologisches zeitalter-4:  KONSERVATSISMUS - AUTORITARISMUS

> NATIONALSTAATSGRÜNDUNGEN  (GR,B.I,D):

 l-buch.jpg (1728 Byte) D - KAISERREICH 1870-1918 / Geschichte der Atbeiterbewegung  // Marxismus

 

 

 

 

Karl Marx, 1818-1883
Sohn eines jüdischen, später getauften Rechtsanwalts in Trier, Studium der Rechtswissenschaften und Philosophie in Bonn und Berlin, Dr. der Philosophie, 1842 Chefredakteur der liberal-demokratischen, ,Rheinischen Zeitung' , in Köln; heiratet Jen ny v. Westphalen, Schwester des späteren preußischen
Innenministers. Journalist in Paris, 1845 aus Frankreich ausgewiesen, nach Brüssel ausgewichen. Arbeitet als Privatgelehrter mit dem Fabrikanten Friedrich Engels zusammen, schreibt 1847 mit ihm das, ,Kommunistische Manifest' , für den internationalen geheimen Bund der Kommunisten. 1848 aus Belgien ausgewiesen, wieder nach Paris, dann nach Deutschland und schließlich nach London, wo er bis zu seinem Lebensende an
seinem Hauptwerk "Das Kapital" (1867 ff.) arbeitet und in sehr ärmlichen Verhältnissen, von seinem Freund
Engels unterstützt, lebt. Er war Mitbegründer und Führer der "Internationalen Arbeiterassoziation" (I. Internationale 1864-72).

 

 

MARXISMUS: 

der mensch ist...  

·          Der Mensch ist von Natur aus ´gut´ / nicht auf Herrschaft über seinesgleichen hin  angelegt  -  er kann vielmehr sein eigentliches menschliches Wesen nur dort entfalten, wo  er sich selbstbestimmt seinen Lebensunterhalt erarbeiten kann, ...

·          ... denn:  die Art seines Arbeitens im Gefüge der Arbeitsweisen seiner Mitmenschen ist ausschlaggebend dafür, was der Mensch über sich selbst und die Welt zu erfahren vermag  ...

·          ...  -  wo sie fremdbestimmt organisiert ist,  der Arbeitende  also  weder über seine Arbeit noch über deren Produkt verfügt, vermitteln ihm weder sein Arbeitsprodukt noch der Arbeitsvorgang selbst Treffendes über sich selbst und die Welt

= ´materialistisches Menschenbild´   -  „Das gesellschaftliche Sein des Menschen bestimmt sein Bewußtsein“    (im Gegensatz zum idealistischen:  die Ideen bestimmen das Bewußtsein)

·          Der Mensch ist aber auch von Natur aus ungeduldig, was das Streben nach weniger mühevollen Lebensweisen angeht.  Sein Trachten gilt daher der Entwicklung   immer leistungsfähigerer Produktionsmittel (Grund und Boden, Saatgut, Vieh; Handwerbsbetriebe/Fabriken, Kapital, (Wissen)). 

·          Und:  er ist irrtumsanfällig.

·          -  Sein Irrtum beim Streben nach Lebenserleichterung:  die Organisation der Entdeckung und Entwicklung von Produktionsmitteln  als Privat-Besitz mit Anspruch auf Bestimmungsgewalt  =  ein ´ökonomischer Sündenfall´:    Herrschaft von Menschen über Menschen ist die verhängnisvolle Folge

·          -  wer Produktionsmittel besitzt, bestimmt über deren Verwendung und beansprucht auch ein Besitzrecht an den Produkten, die er mit Hilfe seiner Produktionsmittel herstellen läßt  = Herrschaft

·          -   wer nur wenige oder gar keine Produktionsmittel besitzt,  kann für seinen Lebensunterhalt nur aufkommen, indem er seine Arbeitskraft verkauft, ohne damit ein Besitzrecht auch an den mit seiner Hilfe hergestellten Produkten zu erwerben  =  Beherrscht-Werden  + Ausgebeutet-Werden

·          Damit sind die Arbeit selbst wie auch deren Produkte nichts wirklich Eigenes mehr  -   sondern etwas Fremdes;     das führt zum Fremdwerden des eigenen Ich und zum Fremdwerden der Menschen und Verhältnisse um einen herum

·          für  den beherrschten Teil der Menschheit bedeutet das materiell wie geistig elende Lebensbedingungen

·          einmal errichtet, bleibt solche Herrschaft nichts einmaliges, sondern erzeugt eine Kette von gesetzmäßigen Abläufen, die erst nach einem langen Geschichtsprozeß in die Wiederaufhebung von Herrschaft münden kann  =  Stufentheorie

(kommunistische Urgesellschaft > über ökonomischen Sündenfall: Eintritt in die Geschichte als Klassenkampfggeschichte

1. Stufe: antike Sklavenhaltergesellschaft

2. Stufe: mittelalterliche Feudalgesellschaft

3. Stufe: Bourgeoisiegesellschaft (Kapitalismus)

4. Stufe: Diktatur des Proletariats/>Sozialismus > über dem Überflüssigwerden des Staates (=Ende der Geschichte als Klassenkampfgeschichte):

erneute Herrschaftslosigkeit: Endkommunismus)

 

 Ø folglich gilt...

Ø       Orientierung liefert die Analyse der Gesetzmäßigkeiten des Gesellschaftszustandes, in dem man lebt

Ø       Lebenssinn gewinnt der einzelne für sich selbst dadurch, daß er den Mitvollzug dieser Gesetzmäßigkeiten anstrebt und so die bevorstehende Überwindung von Ausbeutung und Herrschaft beschleunigt

Ø       Die Überwindung von Ausbeutung und Herrschaft   - und damit auch von falschem Egoismus, der zu wirklich freier menschlicher Gemeinschaft unfähig macht -  hängt an der Überwindung des ökonomischen Sündenfalls,  also an der Überwindung des Privatbesitzes an Produktionsmitteln .  Sie wird jedoch erst den Generationen am Ende des menschlichen Geschichtsprozesses gewährt werden  -  als Frucht jahrhundertelanger Leiden gleichsam

 

 

 politik ist... 

·          Klassenkampf   -   solange die Menschen es mit den inneren Gesetzmäßigkeiten der einmal errichteten Herrschaftsverhältnisse zu tun haben    (-  also bis zu ihrer Überwindung durch die proletarische Revolution und die ihr folgende Diktatur des Proletariats zur Errichtung des Sozialismus als Vorstufe zum Endkommunismus)

Ø folglich gilt:

·          Kampf der jeweils Unterdrückten gegen die ihnen seitens der Herrschenden  auferlegte materielle  Ungleichkeit auf jeder Stufe der menschheitlichen Herrschaftsverhältnisse

·          Auf der Gegenseite:  der Druck derer, die im Besitz der Produktionsmittel sind  bzw. diesen zu revolutionieren vermögen,  auf jene, die nur ihre Arbeitskraft besitzen

·          Ziel:  Ausagieren der inneren Gesetzmäßigkeiten, die sich aus einer bestimmten Art der Organisation der Produktionsverhältnisse und ihrer Weiterentwicklung ergeben  - also Ausagieren der Dialektik (Wechselspiel von These, Antithese und Synthese), die jedem Prozeß eigen ist 

die beste ordnung des gemeinwesens ist... 

·          Die herrschaftsfreie Ordnung des Ur- wie des Endkommunismus

 Ø folglich gilt...

·          Dazwischen auf den verschiedenen Stufen menschlicher Klassengesellschaften gibt es nichts als vorübergehende Optimal-Ordnungen:   die jeweils neu gefundenen Synthesen zwischen vorausgegangenem Grundzustand (=These) und dazu widersprüchlichen Entwicklungen in den Produktionsverhältnissen (=Antithese), ...

... die jedoch ihrerseits schon nach kurzer Zeit einer Infragestellung durch das unterliegen, was sich an Neuentwicklungen im Produktioinsbereich nicht verwerfungsfrei in sie fügt... und so fort

 

 

Ø Ø Folglich gilt  -  da die Menschheitsgeschichte inzwischen (im 19. Jhd.) die Schwelle zur 4. Klassengesellschaftsstufe erreicht hat:

·          Je  selbstzerstörerischer sich die Mechanismen des Kapitalismus auswirken, desto mehr Gedanken muß man sich über die bevorstehende Revolutionsaufgabe und die ihr folgende Gestaltung einer sozialistischen Gesellschaft als der letzten menschlichen Klassengesellschaft machen

·          Die dabei weitaus entscheidendste Aufgabe:  die Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln  -  dessen Überführung in zunächst staatliche, dann gesellschaftliche, nicht mehr herrschaftlich organisierte Hände  als Sprungbrett in den Endkommunismus

 

 

 

Marx-Engels: Die Arbeiter haben kein Vaterland
Im "Kommunistismen Manifest" (1848; s. S. 163) untersumten Marx und Engels die Lage des Proletariats Im bürgerlid1-liberalen Staat und stellen fest, daß das Bürgertum den Arbeitern mit dem Eigentum aud1 die Teilhabe an der Nation verweigert.


Den Kommunisten ist ferner vorgeworfen worden, sie wollten das Vaterland, die Nationalität abschaffen. Die Arbeiter haben kein Vaterland. Man kann ihnen nicht nehmen, was sie nicht haben. Indem das Proletariat zunächst sich die politische Herrschaft erobern, sich zur nationalen Klasse erheben, sich selbst als Nation konstituieren muß, ist es selbst noch national, wenn auch keineswegs im Sinne der Bourgeoisie.
Die nationalen Absonderungen und Gegensatze der Völker verschwinden mehr und mehr und schon mit der Entwicklung der Bourgeoisie, mit der Handelsfreiheit, dem Weltmarkt, der Gleichförmigkeit der industriellen Produktion und der ihr entsprechenden Lebensverhältnisse. Die Herrschaft des Proletariats wird sie noch mehr verschwinden machen. Vereinigte Aktion, wenigstens der zivilisierten Länder, ist eine der ersten Bedingungen seiner Befreiung.
In dem Maße, wie die Exploitationt des einen Individuums durch das andere aufgehoben wird, wird die Exploitation einer Nation durch die andere aufgehoben. Mit dem Gegensatz der Klassen im Inneren der Nation fällt die feindliche Stellung der Nationen gegeneinander.

K. Marx: Die Arbeit
Das Tier ist unmittelbar eins mit seiner Lebenstätigkeit. Es unterscheidet sich nicht von ihr. Es ist sie. Der Mensch macht seine Lebenstätigkeit selbst zum Gegenstand seines Wollens und seines Bewußtsein. Er hat bewußte Lebenstätigkeit. (. ..) Das praktische Erzeugen einer gegenständlichen Welt, die Bearbeitung der unorganischen
Natur ist die Bewährung des Menschen als eines bewußten Gattungswesens, das heißt eines Wesens, das sich zu der Gattung als seinem eigenen Wesen oder zu sich als Gattungswesen verhält. Zwar produziert auch das Tier. Es baut sich ein Nest, Wohnungen, wie die Biene, Biber, Ameise etc. Allein es produziert nur, was es unmittelbar für sich und sein Junges bedarf; es produziert einseitig, während der Mensch universell produziert; es produziert nur unter der Herrschaft des unmittelbaren physischen Bedürfnisses, während der Mensch selbst frei vom physischen Bedürfnis produziert und erst wahrhaft produziert in der Freiheit von demselben; es produziert nur sich selbst, während der Mensch die ganze Natur reproduziert; sein Produkt gehört unmittelbar zu seinem physischen Leib, während der Mensch frei seinem Produkt gegenübertritt. (. ..) Eben in der Bearbeitung der gegenständlichen Welt bewährt sich der Mensch daher erst wirklich als ein Gattungswesen. Diese Produktion ist sein werktätiges Gattungswesen. Durch sie erscheint die Natur als sein Werk und seine Wirklichkeit. Der Gegenstand der
Arbeit ist daher die Vergegenständlichung des Gattungslebens des Menschen; indem er sich nicht nur wie im Bewußtsein intellektuell, sondern werktätig, wirklich verdoppelt, und sich selbst daher in einer von ihm geschaffenen Welt anschaut.

K. Marx: Die Arbeitsteilung und die Entfremdung des Menschen
Und endlich bietet uns die Teilung der Arbeit gleich das erste Beispiel davon dar, daß, solange die Menschen sich in der naturwüchsigen Gesellschaft befinden, solange also die Spaltung zwischen den besonderen und gemeinsamen Interessen existiert, solange die Tätigkeit also nicht freiwillig, sondern naturwüchsig geteilt ist, die eigene Tat des Menschen ihm zu einer fremden gegenüberstehenden Macht wird, die ihn unterjocht, statt daß er sie beherrscht. Sowie nämlich die Arbeit verteilt zu werden anfängt, hat jeder seinen bestimmten, ausschließlichen Kreis der Tätigkeit, der ihm aufgedrängt wird, aus dem er nicht heraus kann; er ist Jäger, Fischer oder Hirt oder kritischer Kritiker, und muß es bleiben, wenn er nicht die Mittel zum Leben verlieren will -während in der kommunistischen Gesellschaft, wo jeder nicht einen ausschließlichen Kreis der Tätigkeit hat, sondern sich in jedem beliebigen Zweige ausbilden kann, die Gesellschaft die allgemeine Produktion regelt und mir eben dadurch möglich macht, heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, auch das Essen zu kritisieren, ohne je Jäger, Fischer oder Hirt oder Kritiker zu werden, wie ich gerade Lust habe. Dieses Sichfestsetzen der sozialen Tätigkeit, diese Konsolidation unseres eigenen Produkts zu einer sachlichen Gewalt über uns, die unserer Kontrolle entwächst, unsere Erwartungen durchkreuzt, unsere Berechnungen zunichte macht, ist eines der Hauptelemente in der bisherigen geschichtlichen Entwicklung.
Der Kommunismus ist für uns nicht ein Zustand, der hergestellt werden soll, ein Ideal,
wonach die Wirklichkeit sich zu richten habe. Wir nennen Kommunismus die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt. 


K. Marx: Die Entfremdung der Lohnarbeit
In der Erwerbsarbeit liegt: 1. die Entfremdung und Zufälligkeit der Arbeit vom arbeitenden Subjekt; 2. die Entfremdung und Zufälligkeit der Arbeit vom Gegenstand derselben; 3. die Bestimmung des Arbeiters durch die gesellschaftlichen Bedürfnisse, die ihm aber fremd und ein Zwang sind, dem er sich aus egoistischem Bedürfnis, aus Not unterwirft und die für ihn nur die Bedeutung einer Quelle der Befriedigung für seine Notdurft, wie er für sie nur als ein Sklave ihrer Bedürfnisse vorhanden ist; 4. daß dem Arbeiter die Erhaltung seiner individuellen Existenz als Zweck seiner Tätigkeit erscheint und sein wirkliches Tun ihm nur als Mittel gilt; daß er sein Leben betätigt, um Lebensmittel zu erwerben. Je größer, je ausgebildeter also die gesellschaftliche Macht erscheint innerhalb der Privat-
eigentumsverhältnisse, um so egoistischer, gesellschaftsloser, seinem eignen Wesen entfremdeter wird der Mensch.

 Marx-Engels: Manifest der Kommunistischen Partei
Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen. Freier und Sklave, Patrizier und Plebejer, Baron und Leibeigener, Zunftbürger und Gesell, kurz, Unterdrücker und Unterdrückte standen in stetem Gegensatz zueinander, führten einen ununterbrochenen, bald versteckten, bald offenen Kampf, einen Kampf, der jedesmal mit einer revolutionären Umgestaltung der ganzen Gesellschaft endete oder mit dem gemein-
samen Untergang der kämpfenden Klassen. (. ..)
Die aus dem Untergang der feudalen Gesellschaft hervorgegangene moderne bürgerliche Gesellschaft hat die Klassengegensätze nicht aufgehoben. Sie hat nur neue Klassen, neue Bedingungen der Unterdrückung, neue Gestaltungen des Kampfes an die Stelle der alten gesetzt.
Unsere Epoche, die Epoche der Bourgeoisie, zeichnet sich jedoch dadurch aus, daß sie die Klassengegensätze vereinfacht hat. Die ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei große feindliche Lager, in zwei große, einander direkt gegenüberstehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat. (. ..)
Wir sehen also, wie die moderne Bourgeoisie selbst das Produkt eines langen Entwicklungsganges, einer Reihe von Umwälzungen in der Produktions- und Verkehrsweise ist. Jede dieser Entwicklungsstufen der Bourgeoisie war begleitet von einem entsprechenden politischen Fortschritt. Unterdrückter Stand unter der Herrschaft der Feudalherren, bewaffnete und sich selbst verwaltende Assoziation in der Kommune, hier unabhängige städtische Republik, dort dritter steuerpflichtiger Stand der Monarchie, dann zur Zeit der Manufaktur .
Gegengewicht gegen den Adel in der ständischen oder in der absoluten Monarchie, Hauptgrundlage der großen Monarchien überhaupt, erkämpfte sie sich endlich seit der Herstellung der großen Industrie und des Weltmarktes im modernen Repräsentativstaat die aus, schließliche politische Herrschaft. Die moderne Staatsgewalt ist nur ein Ausschuß, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der ganzen Bourgeoisieklasse verwaltet.
Die Bourgeoisie hat in der Geschichte eine höchst revolutionäre Rolle gespielt. Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört. Sie hat die buntscheckigen Feudalbande, die den Menschen an seinen natürlichen Vorgesetzten knüpften, unbarmherzig zerrissen und kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übriggelassen, als das nackte Interesse, als die gefühllose "bare Zahlung". {. ..) Sie hat, mit einem Wort, an die Stelle der mit religiösen und politischen Illusionen verhüllten Ausbeutung die offene, unverschämte, direkte, dürre Ausbeutung gesetzt. {. ..)
Die Bourgeoisie kann nicht existieren, ohne die Produktionsinstrumente, also die Produktionsverhältnisse, also sämtliche gesellschaftlichen Verhältnisse fortwährend zu revolutionieren. Unveränderte Beibehaltung der alten Produktionsweise war dagegen die erste Existenzbedingung aller früheren industriellen Klassen. Die fortwährende Umwälzung der Produktion, die ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände, die ewige
Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeoisepoche vor allen andern aus. {. ..)
Wir haben also gesehen: Die Produktions- und Verkehrsmittel, auf deren Grundlage sich die Bourgeoisie heranbildete, wurden in der feudalen Gesellschaft erzeugt. Auf einer gewissen Stufe der Entwicklung dieser Produktions- und Verkehrsmittel entsprachen die Verhältnisse, worin die feudale Gesellschaft produzierte und austauschte, die feudale Organisation der Agrikultur und Manufaktur, mit einem Wort die feudalen Eigentumsverhältnisse den schon entwickelten Produktivkräften nicht mehr. Sie hemmten die Produktion, statt sie zu fördern. Sie verwandelten sich in ebenso viele Fesseln. Sie mußten gesprengt werden, sie wurden gesprengt.
An ihre Stelle trat die freie Konkurrenz mit der ihr angemessenen gesellschaftlichen und politischen Konstitution, mit der ökonomischen und politischen Herrschaft der Bourgeoisieklasse.
Unter unseren Augen geht eine ähnliche Bewegung vor. Die bürgerlichen Produktionsund Verkehrsverhältnisse, die bürgerlichen Eigentumsverhältnisse, die moderne bürgerliche Gesellschaft, die so gewaltige Produktions- und Verkehrsmittel hervorgezaubert hat, gleicht dem Hexenmeister, der die unterirdischen Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag, die er heraufbeschwor. Seit Dezennien ist die Geschichte der Industrie und des Handels nur die Geschichte der Empörung der modernen Produktivkräfte gegen die modernen Produktionsverhältnisse, gegen die Eigentumsverhältnisse, welche die Lebensbedingungen der Bourgeoisie und ihrer Herrschaft sind. Es genügt, die Handelskrisen zu nennen, welche in ihrer periodischen Wiederkehr immer drohender die Existenz der ganzen bürgerlichen Gesellschaft in Frage stellen. In den Handelskrisen wird ein großer Teil nicht der erzeugten Produkte, sondern der bereits geschaffenen Produktivkräfte regelmäßig vernichtet. In den Krisen bricht eine gesellschaftliche Epidemie aus, welche allen früheren Epochen als ein Widersinn erschienen wäre - die Epidemie der Überproduktion. {. ..) Wodurch überwindet die Bourgeoisie die Krisen? Einerseits durch die erzwungene Vernichtung einer Masse von Produktivkräften; anderseits durch die Eroberung neuer Märkte und die gründlichere Ausbeutung alter Märkte. Wodurch also? Dadurch, daß sie allseitigere und gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert. Die Waffen, womit die Bourgeoisie den Feudalismus zu Boden geschlagen hat, richten sich jetzt gegen die Bourgeoisie selbst.
Aber die Bourgeoisie hat nicht nur die Waffen geschmiedet, die ihr den Tod bringen; sie hat auch die Männer erzeugt, die diese Waffen führen werden - die modernen Arbeiter, die Proletarier. In demselben Maße, worin sich die Bourgeoisie, d.h. das Kapital entwickelt, in demselben Maße entwickelt sich das Proletariat, die Klasse der modernen Arbeiter, die nur so lange leben, als sie Arbeit finden, und die nur so lange Arbeit finden, als ihre Arbeit das Kapital vermehrt. Diese Arbeiter, die sich stückweise verkaufen müssen, sind eine Ware wie jeder andere Handelsartikel und daher gleichmäßig allen Wechselfällen der Konkurrenz, allen Schwankungen des Marktes ausgesetzt.
Die Arbeit der Proletarier hat durch die Ausdehnung der Maschinerie und die Teilung der Arbeit allen selbständigen Charakter und damit allen Reiz für den Arbeiter verloren. Er wird ein bloßes Zubehör der Maschine, von dem nur der einfachste, eintönigste, am leichtesten erlernbare Handgriff verlangt wird. Die Kosten, die der Arbeiter verursacht, beschränken sich daher fast nur auf die Lebensmittel, die er zu seinem Unterhalt und zur Fortpflanzung seiner Rasse bedarf. Der Preis einer Ware, also auch deI" Arbeit, ist aber gleich ihren Produktionskosten. 
Die Lebensbedingungen der alten Gesellschaft sind schon vernichtet in den Lebensbedingungen des Proletariats. Der Proletarier ist eigentumslos; sein Verhältnis zu Weib und Kindern hat nichts mehr gemein mit dem bürgerlichen Familienverhältnis; die moderne industrielle Arbeit, die moderne Unterjochung unter das Kapital, dieselbe in England wie in Frankreich, in Amerika wie in Deutschland, hat ihm allen nationalen Charakter abgestreift.
Die Gesetze, die Moral, die Religion, sind für ihn ebenso viele bürgerliche Vorurteile, hinter denen sich ebenso viele bürgerliche Interessen verstecken. Alle früheren Klassen, die sich die Herrschaft eroberten, suchten ihre schon erworbene Lebensstellung zu sichern, indem sie die ganze Gesellschaft den Bedingungen ihres Erwerbes unterwarfen. Die Proletarier können sich die gesellschaftlichen Produktivkräfte nur erobern, indem sie ihre eigene bisherige Aneignungsweise und damit die ganze bisherige Aneignungsweise abschaffen. Die Proletarier haben nichts von dem ihrigen zu sichern, sie haben alle bisherigen Privatsicherheiten und Privatversicherungen zu zerstören. Alle bisherigen Bewegungen waren Bewegungen von Minoritäten oder im Interesse von Minoritäten. Die proletarische Bewegung ist die selbständige Bewegung der ungeheuren Mehrzahl im Interesse der ungeheuren Mehrzahl. Das Proletariat, die unterste Schicht der jetzigen Gesellschaft, kann sich nicht erheben, nicht aufrichten, ohne daß der ganze Oberbau der Schichten, die die offizielle Gesellschaft bilden, in die Luft gesprengt wird.{. ..)
Was den Kommunismus auszeichnet, ist nicht die Abschaffung des Eigentums überhaupt, sondern die Abschaffung des bürgerlichen Eigentums.
Aber das moderne bürgerliche Privateigentum ist der letzte und vollendetste Ausdruck der Erzeugung und Aneignung der Produkte, die auf Klassengegensätzen, auf der Ausbeutung der einen durch die andern beruht.  {. ..)
Kapitalist sein, heißt nicht nur eine rein persönliche, sondern eine gesellschaftliche Stellung in der Produktion einnehmen. Das Kapital ist ein gemeinschaftliches Produkt und kann nur durch eine gemeinsame Tätigkeit vieler Mitglieder, ja in letzter Instanz nur durch die gemeinsame Tätigkeit aller Mitglieder der Gesellschaft in Bewegung gesetzt werden.
Das Kapital ist also keine persönliche, es ist eine gesellschaftliche Macht. Wenn also das Kapital in gemeinschaftliches, allen Mitglieder der Gesellschaft angehöriges Eigentum verwandelt wird, so verwandelt sich nicht persönliches Eigentum in gesellschaftliches. Nur der gesellschaftliche Charakter des Eigentums verwandelt sich. Er verliert seinen Klassencharakter.

 K. Marx: Der einzelne und das Ganze (1844)
Erst wenn der wirkliche individuelle Mensch den abstrakten Staatsbürger in sich zurücknimmt und als individueller Mensch, in seinem empirischen Leben, in seiner individuellen Arbeit, in seinen individuellen Verhältnissen Gattungswesen geworden ist, erst wenn der Mensch seine "forces propres" als gesellschaftliche Kräfte nicht mehr in der Gestalt der politischen Kraft von sich trennt, erst dann ist die menschliche Emanzipation vollbracht.


K. Marx: Der Historische Materialismus
In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Oberbau erhebt, und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und ge.istigen Lebensprozeß überhaupt. Es ist nicht das Bewußtsein des Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt. Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein. Mit der Veränderung der ökonomischen Grundlage wälzt sich der ganze ungeheure Oberbau langsamer oder rascher um. In der Betrachtung solcher Umwälzungen muß man stets unterscheiden zwischen der materiellen, naturwissenschaftlich treu zu konstatierenden Umwälzung in den ökonomischen Produktionsbedingungen und den juristischen, politischen, religiösen, künstlerischen oder philosophischen, kurz, ideologischen Formen, worin sich die Menschen dieses Konflikts bewußt werden und ihn ausfechten. Sowenig man das, was ein Individuum ist, nach dem beurteilt,
was es sich selbst dünkt, ebensowenig kann man eine solche Umwälzungsepoche aus ihrem Bewußtsein beurteilen, sondern muß vielmehr dies Bewußtsein aus den Widersprüchen des materiellen Lebens, aus dem vorhandenen Konflikt zwischen gesellschaftlichen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen erklären. 


  K. Marx: Über die Verelendung
Innerhalb des kapitalistischen Systems vollziehen sich alle Methoden zur Steigerung der gesellschaftlichen Produktivkräfte der Arbeit auf Kosten des individuellen Arbeiters; alle Mittel zur Entwicklung der Produktion schlagen um in Beherrschungs- und Exploitationsmittel des Produzenten, verstümmeln den Arbeiter in einen Teilmenschen, entwürdigen ihn , zum Anhängsel der Maschine, vernichten mit der Qual seiner Arbeit ihren Inhalt, entfremden ihm die geistigen Potenzen des Arbeitsprozesses (. ..), sie verunstalten die Bedingungen, innerhalb deren er arbeitet, unterwerfen ihn während des Arbeitsprozesses der kleinlichst gehässigen Despotie, verwandeln seine Lebenszeit in Arbeitszeit, schleudern sein Weib und Kind unter das Juggernaut-Rad des Kapitals. Aber alle Methoden zur Produktion des , Mehrwertes sind zugleich Methoden der Akkumulation, und jede Ausdehnung der Akkumulation wird umgekehrt Mittel zur Entwicklung jener Methoden. Es folgt daher, daß im Maße, wie Kapital akkumuliert, die Lage des Arbeiters, welches immer seine Zahlung, hoch oder niedrig, sich verschlechtern muß. Das Gesetz endlich, welches die relative Übervölkerung oder industrielle Reservearmee stets mit Umfang und
Energie der Akkumulation in Gleichgewicht hält, schmiedet den Arbeiter fester an das Kapital als den Prometheus die Keile des Hephästos an den Felsen. Es bedingt eine der Akkumulation von Kapital entsprechende Akkumulation von Elend. Die Akkumulation von 1eichtum auf dem einen Pol ist also zugleich Akkumulation von Elend, Arbeitsqual, Sklaverei, Unwissenheit, Brutalisierung und moralischer Degradation auf dem Gegenpol, d. h. auf der Seite der Klasse, die ihr eigenes Produkt als Kapita.l produziert.

 K. Marx: Die Negation der Negation
Diese Expropriation (sc. der kleinen durch die großen Kapitalisten. Anm. d. Hg.) vollzieht sich durch das Spiel der immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktion selbst, durch die Zentralisation der Kapitale. Je ein Kapitalist schlägt viele tot. Hand in Hand mit dieser Zentralisation (. .) entwickelt sich die kooperative Form des Arbeitsprozesses auf stets wachsender Stufenleiter, die bewußte technische Anwendung der Wissenschaft, die plan-
mäßige Ausbeutung der Erde, die Verwandlung der Arbeitsmittel in nur gemeinsam verwendbare Arbeitsmittel, die Ökonomisierung aller Produktionsmittel durch ihren Gebrauch als Produktionsmittel kombinierter, gesellschaftlicher Arbeit, die Verschlingung aller Völker in das Netz des Weltmarkts, und damit der internationale Charakter des kapitalistischen Regimes. Mit der beständig abnehmenden Zahl der Kapitalmagnaten, welche alle Vorteile dieses Umwandlungsprozesses usurpieren und monopolisieren, wächst die Masse des Elends, des Drucks, der Knechtschaft, der Entartung, der Ausbeutung, aber auch die Empörung der stets anschwellenden und durch den Mechanismus des kapitalistischen Produktionsprozesses selbst geschulten, vereinten und organisierten Arbeiterklasse. Das Kapitalmonopol wird zur Fessel der Produktionsweise, die mit und unter ihm aufgeblüht ist. Die Zentralisation der Produktionsmittel und die Vergesellschaftung der Arbeit erreichen einen
Punkt, wo sie unverträglich werden mit ihrer kapitalistischen Hülle. Die Stunde des kapitalistischen Eigentums schlägt. Die Expropriateurs werden expropriiert.
 

Friedrich Engels: Ober das Absterben des Staates
Indem die kapitalistische Produktionsweise mehr und mehr die große Mehrzahl der Bevölkerung in Proletarier verwandelt, schafft sie die Macht, die diese Umwälzung, bei Strafe des Unterganges, zu vollziehen genötigt ist. Indem sie mehr und mehr auf Verwandlung der großen, vergesellschafteten Produktionsmittel in Staatseigentum drängt, zeigt sie selbst den Weg an zur Vollziehung dieser Umwälzung. Das Proletariat ergreift die Staatsgewalt und verwandelt die Produktionsmittel zunächst in Staatseigentum. Aber damit hebt es sich selbst als Proletariat, damit hebt es alle Klassenunterschiede und Klassengegensätze auf, und damit auch den Staat als Staat. Die bisherige, sich in Klassengegensätzen bewegende Gesellschaft hatte den Staat nötig, das heißt eine Organisation der jedesmaligen ausbeutenden Klasse zur Aufrechterhaltung ihrer äußeren Produktionsbedingungen, also namentlich zur gewaltsamen Niederhaltung der ausgebeuteten Klasse in den durch die bestehende Produktionsweise gegebenen Bedingungen der Unterdrückung (Sklaverei, Leibeigenschaft oder Hörigkeit, Lohnarbeit). Der Staat war der offizielle Repräsentant der ganzen Gesellschaft. ihre Zusammenfassung in einer sichtbaren Körperschaft, aber er war dies nur, insofern er der Staat derjenigen Klasse war, welche selbst für ihre Zeit die ganze Gesellschaft vertrat: im Altertum Sta.at der sklavenhaltenden Staatsbürger, im Mittelalter des Feudaladels, in unserer Zeit der Bourgeoisie. Indem er endlich tatsächlich Repräsentant der ganzen Gesell- schaft wird, macht er sich selbst überflüssig. Sobald es keine Gesellschaftsklasse mehr in der Unterdrückung zu halten gibt, sobald mit der Klassenherrschaft und dem in der bisherigen Anarchie der Produktion begründeten Kampf ums Einzeldasein auch die daraus entspringenden Kollisionen und Exzesse beseitigt sind, gibt es nichts mehr zu reprimieren, das eine besondere Repressionsgewalt, einen Staat, nötig machte. Der ersteAkt, worin der Staat wirklich als Repräsentant der ganzen Gesellschaft auftritt - die Besitzergreifung der Produktionsmittel im Namen der Gesellschaft -ist zugleich sein letzter selbständiger Akt als Staat.
Das Eingreifen einer Staatsgewalt in gesellschaftliche Verhältnisse wird auf einem Gebiet nach dem anderen überflüssig und schläft dann von selbst ein. An die Stelle der Regierung über Personen tritt die Verwa.jtung von Sachen und die Leitung von Produktionsprozessen Der Staat wird nicht "abgeschafft" , er stirbt ab. Hieran ist die Phrase vom "freien Volksstaat" zu messen, also sowohl nach ihrer zeitweiligen agitatorischen Berechtigung, wie nach ihrer endgültigen wissenschaftlichen Unzulänglichkeit; hieran ebenfalls die Forderung der sogenannten Anarchisten, der Staat solle von heute auf morgen abgeschafft werden.
.

 

 

 

Ferdinand Lassalle, 1825-1864
Sohn eines reichen jüdischen Seidenhändlers in Breslau. Gymnasium, Abitur, Studium der Philosophie und der Sprachen. 1845 Reise nach Paris, wo er die französischen Sozialisten kennenlernt. Während der Revolution 1848 arbeitet er in Düsseldorf mit Karl Marx zusammen. Lebt als Privatgelehrter . 1862 hält er eine Rede vor Maschinenbauarbeitern in Berlin (sog. Arbeiterprogramm). 1863 gründet er den Allgemeinen deutschen Arbeiterverein. Seinen Lebensunterhalt verdient er als Prozeßbevollmächtigter der reichen Gräfin v. Hatzfeld im Ehescheidungsprozeß gegen ihren Mann. 1864 fällt er in einem Duell.

Lassalle: aus dem Arbeiterprogramm von 1862
Die Geschichte ist ein Kampf mit der Natur, mit dem Elende, der Unwissenheit, der Armut, der Machtlosigkeit und somit der Unfreiheit aller Art, in der wir uns befanden, als das Menschengeschlecht im Anfange der Geschichte auftrat. Die fortschreitende Besiegung dieser Machtlosigkeit - das ist die Entwicklung der Freiheit, welche die Geschichte darstellt.
In diesem Kampfe würden wir niemals einen Schritt vorwärts gemacht haben oder jemals weiter machen, wenn wir ihn als einzelne, jeder für sich, jeder allein geführt hätten oder führen wollten.
Der Staat ist es, welcher die Funktion hat, diese Entwicklung der Freiheit, diese Entwicklung des Menschengeschlechtes zur Freiheit zu vollbringen. Der Staat ist diese Einheit der Individuen in einem sittlichen Ganzen, eine Einheit, welche die Kräfte aller einzelnen, welche in diese Vereinigung eingeschlossen sind, millionenfach vermehrt, die Kräfte, welche ihnen allen als einzelnen zu Gebote stehen würden, millionenfach vervielfältigt. (. ..)
Der Arbeiterstand aber, die unteren Klassen der Gesellschaft überhaupt, haben schon durch die hilflose Lage, in welcher sich ihre Mitglieder als einzelne befinden, den tiefen Instinkt, daß eben dies die Bestimmung des Staates sei und sein müsse, dem einzelnen durch die Vereinigung aller zu einer solchen Entwicklung zu verhelfen, zu der er als einzelner nicht befähigt wäre.
Ein Staat also, welcher unter die Herrschaft der Idee des Arbeiterstandes gesetzt wird, würde nicht mehr, wie freilich auch alle Staaten bisher schon getan, durch die Natur der Dinge und den Zwang der Umstände unbewußt und oft sogar widerwillig betrieben, sondern er würde mit höchster Klarheit und völligem Bewußtsein diese sittliche Natur des Staates zu seiner Aufgabe machen.In der bürgerlichen Gesellschaft ist die lebendige Arbeit nur ein Mittel, die aufgehäufte Arbeit zu vermehren. In der kommunistischen Gesellschaft ist die aufgehäufte Arbeit nur ein Mittel, um den Lebensprozeß der Arbeiter zu erweitern, zu bereichern, zu befördern.

 

SPD / Parteiengefüge Kaiserreich